Seit dem 19. Juni 2026 müssen Online-Händler, die an Verbraucher verkaufen, eine einfache Widerrufsfunktion anbieten: den elektronischen Widerrufsbutton. Hier lesen Sie, für wen die Pflicht gilt, wie der Widerruf abläuft, was bei Geschäftskunden und Ausnahmen gilt und wie Sie den Button in Ihrem Shop umsetzen.
Betroffen sind Verträge mit Verbrauchern (B2C). Reine Geschäftskunden-Shops sind nicht betroffen. Der Button muss dauerhaft erreichbar sein und in zwei Schritten zum Widerruf führen.
Was ist der Widerrufsbutton?
Verbraucher sollen einen Vertrag online genauso einfach widerrufen können, wie sie ihn geschlossen haben. Dafür muss der Händler eine Funktion anbieten, die klar als Widerruf erkennbar ist, zum Beispiel eine Schaltfläche „Vertrag widerrufen“. Hintergrund ist eine Änderung der EU-Verbraucherrechte-Richtlinie, die Deutschland im Bürgerlichen Gesetzbuch umgesetzt hat (§ 356a BGB).
Der klassische Weg über ein Musterformular oder eine E-Mail bleibt möglich, ersetzt die Schaltfläche aber nicht.
Ab wann gilt die Pflicht?
Die Pflicht gilt seit dem 19. Juni 2026. Das betrifft auch bestehende Shops: Wer Verträge mit Verbrauchern online ermöglicht, muss die Funktion seitdem anbieten. Es gibt keine Übergangsfrist für Shops, die schon vor dem Stichtag online waren.
Für wen gilt die Pflicht, und was gilt bei B2B?
| Konstellation | Button nötig? |
|---|---|
| Shop nur für Gewerbetreibende (B2B) | Nein, das Verbraucherwiderrufsrecht greift nicht |
| Shop für Verbraucher (B2C) | Ja |
| Gemischter Shop mit Händlern und Privatkunden | Ja, für die Verträge mit Verbrauchern |
| Verkauf über Marktplätze | Hängt davon ab, wer den Vertrag online abschließt. Prüfen Sie die Vorgaben des Marktplatzes. |
Wer nur an Geschäftskunden verkauft, sollte sicherstellen, dass wirklich nur Unternehmer bestellen können, zum Beispiel über eine Freischaltung mit Prüfung der USt-IdNr. Ein offener Shop, in dem jeder bestellen kann, behandelt Besteller im Zweifel als Verbraucher.
Gibt es Ausnahmen?
Das Gesetz kennt Verträge ohne Widerrufsrecht (§ 312g Abs. 2 BGB), etwa bei individuell angefertigter Ware oder schnell verderblichen Waren. Wo kein Widerrufsrecht besteht, gibt es auch nichts zu widerrufen.
Für Sammelkarten und Sealed-Ware gibt es in der Regel keinen solchen Ausnahmegrund. Verbraucher können widerrufen, auch wenn Sie die Ware als Sammlerstück verkaufen. Bei geöffneter Ware kann Wertersatz für einen Wertverlust in Betracht kommen. Wie das im Einzelfall aussieht, klären Sie am besten mit einer Rechtsberatung.
So läuft der Widerruf ab
- Der Kunde findet die Schaltfläche „Vertrag widerrufen“. Sie ist dauerhaft und gut sichtbar erreichbar, zum Beispiel in der Fußzeile jeder Seite.
- Er gibt an, welchen Vertrag er widerrufen möchte, und nennt seine Daten: Name, Bestellnummer und E-Mail.
- Er bestätigt den Widerruf mit einer zweiten Schaltfläche, zum Beispiel „Widerruf bestätigen“.
- Sie bestätigen den Eingang unverzüglich auf einem dauerhaften Datenträger, in der Regel per E-Mail, mit Inhalt sowie Datum und Uhrzeit des Eingangs.
Beispieltexte für Ihren Shop
| Element | Beispiel |
|---|---|
| Erste Schaltfläche | Vertrag widerrufen |
| Angaben | Name, Bestellnummer, E-Mail-Adresse |
| Zweite Schaltfläche | Widerruf bestätigen |
| Eingangsbestätigung | Wir haben Ihren Widerruf am [Datum] um [Uhrzeit] erhalten. |
Widerrufsbutton im Shop umsetzen
Prüfen Sie bei Ihrem Shopsystem, ob Ihr Anbieter die Funktion mitbringt oder ob Sie eine Erweiterung brauchen. Wichtig ist, dass der Ablauf ohne Kundenkonto funktioniert, auf jeder Seite erreichbar und auf dem Handy bedienbar ist.
Im Bestellsystem ist der Widerruf für Privatkunden eingebaut: als umrandete Schaltfläche in der Fußzeile jeder Seite, mit Bestätigungsschritt und Eingangsbestätigung samt Datum und Uhrzeit. Im Team-Bereich sehen Sie alle Widerrufe mit Frist („Erstatten bis“). Mehr zur Trennung von Händlern und Privatkunden lesen Sie auf der Seite Kundengruppen und Preise.
Häufige Fehler
- Der Button versteckt sich im Kundenkonto und ist nur nach Anmeldung erreichbar.
- Er heißt „Kontakt“ oder „Rücksendung“ statt eindeutig „Widerruf“.
- Der Widerruf braucht mehr als zwei Schritte oder verlangt Begründungen.
- Die Eingangsbestätigung kommt gar nicht oder erst nach Tagen.
- Gäste ohne Konto können nicht widerrufen.
Checkliste für Händler
- Ich verkaufe an Privatkunden? Dann ist der Button Pflicht.
- Die Schaltfläche steht auf jeder Seite und ist klar als Widerruf beschriftet.
- Der Widerruf funktioniert ohne Kundenkonto und am Handy.
- Nach der Bestätigung geht sofort eine Eingangsbestätigung per E-Mail raus.
- Ich weiß, bis wann ich erstatten muss, und habe den Zahlungsweg vorbereitet.
- Widerrufsbelehrung und AGB sind aktuell.