Aus der Sammlung wird ein Nebenverdienst, aus dem Nebenverdienst ein Geschäft. Wer Pokémon-Karten oder andere Trading Cards regelmäßig verkauft, wird irgendwann zum Händler. Dieser Artikel führt durch Gewerbe, Steuern, Einkauf und die Pflichten im Online-Shop.
Hobby oder Gewerbe?
Wer gelegentlich eigene Sammlerstücke verkauft, handelt privat. Wer regelmäßig, planmäßig und mit Gewinnabsicht ein- und verkauft, betreibt ein Gewerbe. Anhaltspunkte sind wiederholte Verkäufe, Ankauf zum Weiterverkauf, ein Online-Shop und ein größeres Sortiment. Im Zweifel entscheidet das Finanzamt, nicht Ihre Einordnung.
Gewerbe anmelden
- Gewerbe beim Gewerbeamt Ihrer Gemeinde anmelden.
- Den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung beim Finanzamt ausfüllen.
- Eine Steuernummer beantragen und bei Bedarf eine Umsatzsteuer-Identifikationsnummer.
- Die Pflichtmitgliedschaft in der Industrie- und Handelskammer klären.
Steuern im Überblick
| Thema | Worum es geht |
|---|---|
| Einkommensteuer | Gewinne aus dem Gewerbe sind Einkünfte |
| Gewerbesteuer | Für Einzelunternehmen fällt sie erst oberhalb eines Freibetrags an |
| Umsatzsteuer | Regelbesteuerung oder Kleinunternehmerregelung, je nach Umsatz |
| Differenzbesteuerung | Für angekaufte Sammlerware möglich, mehr dazu |
Die Umsatzgrenzen der Kleinunternehmerregelung wurden zuletzt angepasst. Aktuelle Werte erfragen Sie beim Finanzamt oder Ihrer Steuerberatung.
Einkauf: Großhandel und Ankauf
Neuware bekommen Händler über Großhändler und Distributoren, oft nur mit Gewerbenachweis. Dort gelten Mindestabnahmen, Sets sind schnell vergriffen, und Vorbestellungen sind üblich. Singles kommen häufig aus Ankäufen von Privatpersonen. Dokumentieren Sie jeden Ankauf mit Beleg, damit Sie Einkaufspreise nachweisen können.
Pflichten im Online-Shop
- Impressum mit Anschrift und Kontaktdaten
- Datenschutzerklärung
- AGB und Widerrufsbelehrung, wenn Sie an Verbraucher verkaufen
- Widerrufsbutton für Verträge mit Verbrauchern
- Preisangaben mit Mehrwertsteuer und Versandkosten für Privatkunden
- Produktsicherheit: Angaben zu Hersteller und EU-Verantwortlichem bei Ware, für die sie gelten
- Registrierung im Verpackungsregister LUCID, wenn Sie Versandverpackungen in Verkehr bringen
Marktplatz oder eigener Shop?
Marktplätze bringen schnell Reichweite, nehmen aber Gebühren und gehören nicht Ihnen. Ein eigener Shop kostet Aufbau, gibt Ihnen aber Kundenbeziehung, Preise und Marge. Viele Händler starten auf dem Marktplatz und bauen parallel den eigenen Shop auf.
Einzelunternehmen oder Gesellschaft?
Die meisten starten als Einzelunternehmer, weil das schnell und günstig geht. Dafür haften Sie mit Ihrem Privatvermögen. Eine Gesellschaft, etwa eine UG (haftungsbeschränkt), begrenzt die Haftung, verlangt aber Gründungskosten, Buchführung und eine Bilanz. Wer größere Warenwerte bewegt oder an Verbraucher verkauft, sollte die Frage mit einer Steuerberatung und gegebenenfalls einer Rechtsberatung klären, bevor das Geschäft wächst.
Die erste Woche nach der Anmeldung
- Ein Geschäftskonto eröffnen, damit private und geschäftliche Zahlungen getrennt bleiben.
- Eine erste Preisliste kalkulieren und mit Gebühren und Versand gegenrechnen.
- Rechtstexte und Impressum anlegen, bevor der Shop öffentlich wird.
- Das Sortiment mit Set-Code, Sprache und Steuerart erfassen.
Kalkulation: Marge und Gebühren
Im Kartenhandel ist die Marge schmal, deshalb zählt jede Gebühr. Rechnen Sie je Artikel: Einkaufspreis, Versandkosten, Verpackung, Plattform- und Zahlungsgebühren, Retourenquote. Nur was danach übrig bleibt, ist Ihr Verdienst. Ein Beispiel mit erfundenen Zahlen: Display im Einkauf 90 €, Verkauf 115 € netto, Verpackung und Versand 4 €, Zahlungsgebühr 2,5 % auf 115 € sind 2,88 €. Bleiben gut 18 € vor Steuern. Fällt die Zahlungsgebühr weg, steigt der Gewinn je Display entsprechend.
Verpackung und Versand
Karten sind empfindlich. Verwenden Sie stabile Versandkartons, schützen Sie Sealed-Ware vor Druck und Feuchtigkeit und verschicken Sie wertvolle Ware versichert und nachverfolgbar. Planen Sie Gewicht und Maße je Artikel ein, damit die Versandart zur Sendung passt. Bei höherem Warenwert zählt die Haftung des Versanddienstleisters mehr als die Ersparnis beim Porto.
Typische Anfängerfehler
- Zu früh zu viel Ware einkaufen und das Lager mit Sets füllen, die kaum laufen.
- Ankäufe ohne Beleg und ohne Notiz zum Einkaufspreis.
- Preise ohne Marge, Gebühren und Versandkosten kalkulieren.
- Einen Shop ohne Widerrufsbutton, Impressum und AGB starten.
- Den Bestand in einer Tabelle führen und überverkaufen.
Checkliste für den Start
- Gewerbe angemeldet und Steuernummer erhalten
- Entscheidung zu Umsatzsteuer und Differenzbesteuerung mit Steuerberatung getroffen
- Bezugsquellen für Neuware und Ankauf geklärt
- Rechtstexte und Impressum bereit
- Bestandsführung statt Tabelle
- Zahlungsart festgelegt und Rechnungen automatisiert